Eines habe ich auf meinen zahlreichen Fernwanderungen und Pilgertouren immer wieder gehört:
“Einmal nach Santiago de Compostela zu pilgern, das wollte ich auch immer. Aber ich hatte ja nie Zeit dazu. Und jetzt bin ich zu alt und kann das nicht mehr.“
Darum sage nicht: “Wenn ich Zeit dazu habe,“ vielleicht hast du ja nie Zeit dazu.
Wenn dich der Ruf nach Santiago de Compostela zu gehen erreicht, dann gehe los.
Wenn nicht jetzt, wann dann?
Das gilt natürlich für alle anderen Pilger- und Wanderziele. Es muss nicht immer Santiago de Compostela sein. Es gibt noch sehr viele andere, lohnenswerte Orte.
Auch mich ereilte der Ruf nach Santiago de Compostela zu gehen. Und eines war sofort klar: ich fliege nicht nach Spanien um die letzten 100 km zu gehen, die man braucht um die Compostela (die Pilgerurkunde) zu bekommen. Nein, ich gehe natürlich von zuhause los. Nicht an einem Stück, sondern auf mehrere Abschnitte verteilt. Jedes Jahr einen Teil.
Und so ging ich im Jahr 2018 los und war nach drei Jahren am Kloster Einsiedeln in der Schweiz angelangt. Die ersten 600 km waren geschafft.
Doch dann kam Corona und es war unmöglich im nächsten Jahr weiter zu gehen.
In Portugal waren als erstes die Wege wieder geöffnet. Um nicht untätig zu sein, ging ich den Camino Portuges von Porto nach Santiago. Ein Jahr später den Camino Ingles von Ferrol nach Santiago und im dritten Jahr den Camino Portuges da Coste, die Küstenvariante von Porto nach Santiago.
Nun hatte ich Santiago oft genug gesehen (dachte ich) und entschied mich für einen Jakobsweg in Deutschland. Die Strecke war schnell gefunden. Von Görlitz nach Trier, einmal quer durch Deutschland.
2025 ging ich den ersten Abschnitt von Görlitz nach Leipzig. Doch ich war von Portugal und Spanien verwöhnt. In Deutschland hatte ich kaum Kontakt zu anderen Pilgern und auch in den Herbergen war ich stets alleine. Darum habe ich mich für einen erneuten Anlauf nach Santiago de Compostela entschieden. Diesmal ab Görlitz.